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Über vier Millionen Menschen in Deutschland verfügen über unzureichende Schreib- und Lesekenntnisse. Diese Zahl ergibt sich unter anderem aus der Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss. Es gibt zwar Menschen, die nie Schreiben und Lesen gelernt haben, die meisten sind jedoch so genannte funktionale Analphabeten, die in zwei Gruppen aufgeteilt werden:
- Sie lesen stockend und schreiben alles so, wie sie es hören.
- Sie können lesen und schreiben, machen aber sehr viele Fehler und sind dadurch sehr unsicher. Sie vermeiden deshalb das Schreiben in der Öffentlichkeit.
Geringe, in der Schulzeit erworbene Lese- und Schreibkenntnisse werden später nicht mehr in ihrer Funktion genutzt. So werden diese Menschen durch Vermeidungsstrategien im Alltag allmählich wieder zu Analphabeten und entwickeln vielfältige Strategien zum Umgang mit ihrem Problem.
Überlebensstrategien im Alltag:
- Vermeidung – alle möglichen Schreibsituationen werden umgangen
- Delegation - eine Person des Vertrauens übernimmt die Lese- und Schreibaufgaben
- Täuschung - blitzschnelle Reaktion auf entsprechende Situation, Lesen vortäuschen und sich an anderen orientieren.
Die Betroffenen verstecken ihre Lese- und/oder Schreibschwäche und ziehen sich immer weiter aus dem öffentlichen Leben zurück. Sie werden aus dem Arbeitsleben verdrängt, denn Arbeitsplätze für Ungelernte werden abgebaut. Der soziale Abstieg in die Sozialhilfe ist vorprogrammiert.
Lernimpulse:
Kritische Ereignisse lösen oftmals einen Lernimpuls aus, d.h. die Suche nach Hilfe und einem Bildungsangebot beginnt. Zum Beispiel:
- Verlust des Arbeitsplatzes
- Veränderung des Arbeitsplatzes mit höheren Lese- und Schreibanforderungen
- Einschulung des eigenen Kindes
- Wegfall der Vertrauensperson, die Hilfestellung gegeben hat (durch Scheidung, Krankheit, Tod).
Berufliche Motive sind bei Männern (75,0%) und Frauen (46,2%) die wichtigsten Gründe, sich um einen Kursplatz zu bemühen. In Deutschland gibt es, von Ausnahmen abgesehen, keine Vollzeitangebote zum Lesen und Schreiben lernen. Es ist folglich der Besuch von Abendkursen notwendig und es bedarf einer langen Zeit, in der Regel mindestens zwei Jahre, um sich Grundfertigkeiten anzueignen.
Die Anforderungen steigen auch in Berufsfeldern, in denen gering Qualifizierte bisher überwiegend gearbeitet haben. Ob Bauarbeiter, Handwerker oder Pflegehelferin, überall wird zunehmend Schriftsprachlichkeit gefordert.
Grundbildungszentrum in Hamburg
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Das ALFA-Telefon berät unter der Nummer 0251/ 53 33 44 Menschen kostenlos und anonym, wenn sie den Schritt wagen und ihre Lese- und Schreibprobleme offen legen. Hier erhalten Sie Informationen über ortsnahe Weiterbildungseinrichtungen und Kurse in Deutschland.
Der Bundesverband Alphabetisierung hat eine eigene Internetseite, die aktuell über Projekte informiert und einen fachlichen Austausch bietet:
www.alphabetisierung.de

Mit APOLL (Alpha-Portal Literacy Learning) hat im Oktober 2002 ein neues Projekt seine Arbeit aufgenommen. Ziel des für drei Jahre vom BMBF geförderten Projekts ist es, Module und Lernprogramme zu entwickeln, die es funktionalen Analphabeten ermöglichen per Internet im Selbststudium Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen. Den Trainern werden kursbegleitende Materialien zur Verfügung gestellt.
Das Projekt unterstützen neben dem BMBF, der Deutsche Volkshochschulverband (DVV) und der Bundesverband Alphabetisierung. Ein Infobrief über den Verlauf des Projekts kann abonniert werden unter:
www.apoll-online.de
Quelle
"Ihr Kreuz ist die Schrift. Analphabetismus und Alphabetisierung in Deutschland", Hrsg. Bundesverband Alphabetisierung e.V.; Münster/Stuttgart 2000
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